Mittwoch , 16 August 2017
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Pflegereform: Was sich 2017 für Pflegebedürftige ändert

Am 1. Januar 2017 tritt die Pflegereform in Kraft. Mit der Änderung sollen Pflegebedürftige endlich die Leistungen erhalten, die sie wirklich benötigen. Insbesondere zielt die Reform darauf ab, Demenzkranke zu unterstützen. Mehr als 500.000 Menschen könnten davon in den nächsten Jahren profitieren. Doch was genau ändert sich?

Welche Ziele hat die Pflegereform?

Die Pflegereform soll die Pflegeleistungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Demenz verbessern. Die wohl gravierendste Änderung entsteht bei der Einstufung der Pflegebedürftigen: Bisher halfen dabei die Pflegestufen 0 bis 3. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz werden diese nun durch fünf sogenannte Pflegegrade ersetzt. Hierbei spielt eine wichtige Rolle, wie selbstständig die Pflegebedürftigen ihren Alltag bestreiten können. Je stärker ein Mensch in seiner Alltagskompetenz beeinträchtigt ist, desto höher ist der Pflegegrad.

Die Einstufung erfolgt anhand unterschiedlicher Faktoren wie Mobilität, Selbstversorgung und Alltagsgestaltung. Grundsätzlich soll die Pflege betroffener Menschen dadurch individueller und näher am tatsächlichen Bedarf sein. Dabei werden körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen gleichgestellt, sodass alle Betroffenen eines Pflegegrades auch dasselbe Maß an Leistungen bekommen.

Das ändert sich für Pflegebedürftige

Pflegebedürftige haben durch die Änderungen keinen Mehraufwand. Wer bereits vor der Reform pflegebedürftig war, wird automatisch in den entsprechenden Pflegegrad eingestuft. Schlechtere oder weniger Leistungen als zuvor sind dabei nicht zu befürchten, denn der Pflegegrad fällt eher höher aus als die bisherige Pflegestufe.  Auch die Beträge beim auszuzahlenden Pflegegeld steigen an.

Weiterhin sollen Betroffene künftig schneller und mit weniger Aufwand beraten sowie eingestuft werden: Ab 2017 bekommt jeder Antragsteller innerhalb von zwei Wochen eine Beratung durch die zuständige Pflegekasse. Damit sich Pflegebedürftige und deren Angehörige bestmöglich informieren können, müssen die Kassen zudem einen Überblick über Pflege- und Unterstützungsangebote in der Region veröffentlichen. Darüber hinaus kann durch einen neuen Pflege-TÜV die Qualität der Pflegeleistungen besser geprüft und optimiert sowie Missbrauch vorbeugt werden. Ebenfalls verringern sich bürokratische Hürden wie beispielsweise Zusatzanträge für Hilfsmittel.

Was kostet die Reform?

Um die besseren Leistungen zu finanzieren, stiegen die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung bereits 2016 um 0,3 Prozent an. Für das Jahr 2017 kommen weitere 0,2 Prozent hinzu, danach sind bis 2022 allerdings erst einmal keine weiteren Beitragserhöhungen geplant. Ob das ausreichen wird, um der stetig wachsenden Zahl an Pflegebedürftigen dauerhaft eine qualitativ hochwertige Pflege zu gewährleisten, bleibt fraglich.