Montag , 27 März 2017
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Trotz Mindestlohn: Nicht jedes Praktikum wird bezahlt

Seit Beginn des Jahres 2015 gibt es in Deutschland den Mindestlohn. Er soll Arbeitnehmer vor Dumpinglöhnen schützen und ihnen eine Existenzgrundlage schaffen, mit dem Ziel, dass auch Praktikanten davon profitieren können. Doch hierbei tauchen einige Grauzonen auf, denn nicht jedes Praktikum fällt unter das Mindestlohngesetz.

Welche Aufgaben hat der Mindestlohn?

Grundsätzlich gilt der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde für nahezu alle Arbeitnehmer ab 18 Jahren. Für das Jahr 2017 wurde er sogar auf 8,84 Euro erhöht. Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor haben dadurch ein festgeschriebenes Mindesteinkommen, von dem sie leben können. Berufseinsteigern bietet der Mindestlohn die Chance, möglichst viele praktische Erfahrungen zu sammeln und zugleich angemessen bezahlt zu werden. Die Ausbeutung von Praktikanten soll damit beendet werden. Allerdings erlaubt das entsprechende Gesetz einige Ausnahmen, bei denen Arbeitgeber den Mindestlohn nicht zahlen müssen.

Wann haben Praktikanten Anspruch auf Mindestlohn?

Prinzipiell gilt der Mindestlohn auch für Praktikanten, allerdings nicht in allen Fällen. Beispielsweise sind Pflichtpraktika vom Mindestlohn ausgenommen. Wenn das Praktikum also im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung stattfindet, kann der Arbeitgeber entscheiden, ob und wie viel Gehalt er dem Praktikanten zahlt. Ebenso müssen freiwillige Praktika erst mit dem Mindestlohn vergütet werden, wenn sie länger als drei Monate dauern. Andernfalls fällt dieser weg.

Praktikum als Grauzone

Auch Unternehmen sehen das Thema Mindestlohn kritisch: So können und wollen besonders kleinere Unternehmen ihren Praktikanten keinen Mindestlohn zahlen. Daher bieten sie entweder lediglich Kurzzeit- und Pflichtpraktika an oder sie streichen die entsprechenden Stellen komplett. Praktikanten finden somit nur noch schwer geeignete Stellen, bei denen sie auch langfristig etwas lernen können.

Zudem umgehen einige Arbeitgeber die Bestimmungen: Zum Beispiel stellen sie bei längeren Praktika mehrere Verträge aus, um nicht unter das Mindestlohngesetz zu fallen oder sie setzen unbezahlte Überstunden voraus. Teilweise berichteten Praktikanten sogar davon, dass sie die vermeintlich kostenfreien Getränke später bezahlen mussten und daher nichts von ihrem Mindestlohn hatten.

Um künftig davor zu schützen, fordern die Gewerkschaften eine weitere Verschärfung der Mindestlohn-Regelung. Arbeitgeber sollen grundsätzlich alle Praktikanten mindestens mit dem BAföG-Höchstsatz von derzeit 735 Euro entlohnen.